Temperatur und Wohlbefinden – Welche Bedeutung hat Temperatur für meinen Körper?

Temperatur und Wohlbefinden – Welche Bedeutung hat Temperatur für meinen Körper?

Das menschliche Wohlbefinden hängt unter anderem stark von Temperaturen ab. Bei starker Hitze oder Kälte, weicht unsere Körpertemperatur von der normalen Temperatur von ca. 37 Grad Celsius ab und der Körper bemüht sich sie durch verschiedene Mechanismen zu regulieren. Doch es gibt eine bestimmte Temperatur, bei der sich jede Person besonders wohlfühlt. Diese ist sehr individuell und wird thermische Behaglichkeit oder auch thermoneutrale Zone genannt. Definiert wird die thermische Behaglichkeit durch die europäische Norm EN ISO 7730. Der Begriff beschreibt einen Zustand, in dem einer Person weder zu kalt noch zu warm ist.

Die thermische Behaglichkeit liegt bei einem nahezu unbekleideten, erwachsenen Menschen im ruhenden Zustand zwischen ca. 27 und 32 °C. Die Temperatur der Luft und ihre Bewegung, die Sonneneinstrahlung sowie die Schweißproduktion des Körpers beeinflussen unsere Körpertemperatur. Da wir uns ebenso individuell kleiden, aktiv sind und sich beispielsweise unser Stressempfinden unterscheidet, kann der Unterschied der einzelnen Wohlfühltemperaturen größer ausfallen.

Durch diese Differenzen können im Alltag Schwierigkeiten entstehen die optimale Temperatur zu erreichen. Sommerliche Außentemperaturen können beispielsweise von einigen Menschen noch als angenehm empfunden werden, während andere Personen bereits stark unter der Hitze leiden. Problematisch kann dieses unterschiedliche Empfinden besonders in Großraumbüros werden, da dort viele Individuen von einer Temperatur betroffen sind, die oftmals nicht die thermoneutrale Zone aller Anwesenden trifft.

Die Temperaturen der äußeren Körperregionen und Extremitäten (Körperschalentemperatur) sind von Umgebungsfaktoren abhängig und schwanken. Im Körperkern (lebenswichtige Organe) hingegen ist die Temperatur des Körpers weitgehend konstant.  Die Körperkerntemperatur beträgt, abhängig von der Definition 36,5 bis 37,2 Grad Celsius und verändert sich je nach Uhrzeit im zirkadianen Rhythmus. Früh am Morgen erreicht sie den niedrigsten Stand, da der Körper während des Schlafs seine Körperfunktionen herunterfährt und am Nachmittag die Höchsttemperatur, da dort Menschen meist am aktivsten sind. Weiteren Einfluss auf die Körpertemperatur haben beispielsweise das Schlafverhalten, Belastungen und das Alter der Person. Zusätzlich kann der weibliche Menstruationszyklus die Körperkerntemperatur beeinflussen. Infektionen oder bestimmte Medikamente können für einen Anstieg sorgen[1]. Ansteigende Temperaturen bringen den Menschen dazu, beispielsweise durch Schweißbildung auf der Hautoberfläche und eine verstärkte Durchblutung der Haut, den Körper abzukühlen. Bei ca. 38 Grad Celsius bis 39 Grad Celsius spricht man von einer Hyperthermie oder Fieber. Bei Fieber handelt es sich um eine physiologische Reaktion in dem menschlichen Körper, die geregelt ist. Eine Hyperthermie hingegen ist die Überforderung der Thermoregulation, die beispielsweise durch einen Hitzschlag verursacht werden kann und der Körper versucht durch Schwitzen die Körpertemperatur zu senken. Dabei kühlt er sich durch die Verdunstung des Schweißes auf der Hautoberfläche ab.  Müdigkeit, Erschöpfung oder Kopfschmerzen sind typische Symptome für diese Zustände. Steigt die Temperatur weiter an, können Schwindel, Halluzinationen und Übelkeit als weitere Symptome auftreten. Krämpfe und das Verlieren des Bewusstseins können auftreten. Ab 42 Grad Celsius besteht die Gefahr eines Kreislaufversagens[2].

Eine extreme Abkühlung (Hypothermie) des Körpers kann ebenfalls gefährlich für den menschlichen Körper werden. Bei weniger 36 Grad Celsius Körperkerntemperatur werden die Organe in ihrer Funktion eingeschränkt. Der Körper reagiert mit Kältezittern und der Verengung von Gefäßen, da weniger Blut im Körper zirkuliert.  Durch das Zittern von Muskeln versucht der menschliche Körper Wärme zu produzieren. Die mittelschwere Hypothermie beginnt bei einer Körperkerntemperatur von 32 bis 28 Grad Celsius. Das Bewusstsein wird zunehmend getrübt und es kommt unter anderem zu einer Atemdepression. Sinkt die Temperatur weiter (schwere Hypothermie), reagiert der Körper mit einem Kreislauf- und Atemstillstand [3].

Die Symptome und deren Folgen von extremen Temperaturen für unseren Körper verdeutlichen die Relevanz für unsere Gesundheit und das Wohlbefinden. Um Schwankungen von Temperaturen interpretieren zu können, sollten in der medizinischen Betreuung oder Behandlung, Kenntnisse über natürliche Schwankungsbreiten und deren Variabilität vorhanden sein[4].

Mithilfe unterschiedlicher Möglichkeiten können wir aktiv eingreifen, um unseren Körper bei der Temperaturregulation zu unterstützen und die individuelle Wohlfühltemperatur anzustreben. Bei Erhitzen des Körpers kann beispielsweise luftige Kleidung zu einer größeren Wärmeabgabe des Körpers an die Umgebung führen. Mit ausreichendem Trinken kann zusätzlich der Wasserhaushalt des Körpers aufgefüllt werden und zu einer Abkühlung führen. Ebenfalls ist es möglich durch äußere Kühlung die Temperatur des Körpers zu beeinflussen[5]. Ist die Körpertemperatur hingegen niedrig, ist es möglich durch aktive Bewegung den Körper aufzuwärmen oder ebenfalls durch äußere Einflüsse auf die Temperatur einzuwirken[6].

Durch eine örtlich begrenzte, thermische Stimulation kann wahrscheinlich auf das Temperaturempfinden eingewirkt werden, indem eine andere Temperatur vorgetäuscht wird. Da wir aber alle unterschiedlich sind, kann die Kombination von unterschiedlichen „Hilfsmitteln“ sinnvoll sein und individuell zum Wohlfühlen verhelfen.

Quellen:

[1] Dräger Medical GmbH S.10

[2] Dräger Medical GmbH S.21ff.

[3] Dräger Medical GmbH S.13

[4] Dräger Medical GmbH S.11

[5] Deutscher Wetterdienst 2019

[6] Koch, Jochim 2016, S.285ff.

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